Professionelles Wissen von Referendar/-innen

Im Rahmen des aktuellen Forschungsprogramms zur professionellen Kompetenz ist eine Teilstudie zum professionellen Wissen von Referendar/-innen erstellt. Sie hat das politikwissenschaftliche und politikdidaktische Wissen von 266 Referendarinnen und Referendaren im Fach Politik und die eigene Einschätzung hinsichtlich des Abschneidens in den Wissenstests am Ende der Ausbildungszeit untersucht. Dazu wurden reliable und valide Messinstrumente entwickelt, die es ermöglichen, die interessierenden Kompetenzfacetten auf ihre Ausprägungen und Zusammenhänge hin zu prüfen und zu anderen Variablen in Bezug zu setzen. Von besonderem Interesse sind dabei mögliche Unterschiede zwischen Schulformen sowie zwischen Referendarinnen und Referendaren. Die Daten wurden mit Modellen der Item Response Theory entsprechend der theoretisch angenommnen Struktur beschrieben.

Ergebnisse: Es hat sich gezeigt, dass fachwissenschaftliches und fachdidaktisches Wissen trennbare Konstrukte darstellen, die allerdings stark zusammenhängen. Der Befund, dass das hier erfasste politikwissenschaftliche Wissen und das unterrichtsbezogene fachdidaktische Wissen stärker korrelieren als die fachdidaktischen Wissensdimensionen könnte ein Hinweis darauf sein, dass normatives fachdidaktisches Wissen allein nicht genügt. Vermutlich sind besonders für das Erkennen von Fehlkonzepten und für den Konzeptaufbau auch fachlich elaborierte Konzepte der Lehrenden vorteilhaft, was von der Politikdidaktik bislang vernachlässigt wurde. Angehende Gymnasiallehrkräfte weisen tendenziell in beiden Wissensbereichen höhere Werte auf.

Ein höheres fachliches Interesse geht mit einem höheren fachbezogenen Wissen einher. Das höhere Interesse der angehenden Politiklehrkräfte an Gymnasien entspricht Befunden, nach denen ein Studium für das Gymnasiallehramt eher aus fachlichem Interesse aufgenommen wird, während einem GHR-Studium meist eher pädagogische Motive zugrunde liegen. Angehende Politiklehrerinnen geben ein etwas geringeres Interesse an Politik an, erreichen etwas geringere Werte in den Wissenstests und schätzen die Anzahl richtig beantworteter Items seltener hoch ein. Die Effekte fallen moderat aus. Sie überraschen dennoch, da es sich bei zukünftigen Lehrkräften des Faches um eine selbstselektierte Gruppe handelt, für die keine geschlechtsspezifischen Unterschiede erwartet wurden. Die schlechtere Einschätzung der Anzahl richtig beantworteter Items entspricht Befunden, nach denen sich Frauen in Leistungssituationen häufig schlechter einschätzen als Männer.

Bearbeiter/-innen: Eva Weschenfelder, Georg Weißeno & Monika Oberle

Projektpublikation

Weschenfelder, E., Weisseno, G., & Oberle, M. (2014). Professionelles Wissen angehender Politiklehrkräfte. In B. Ziegler (Hrsg.), Vorstellungen, Konzepte und Kompetenzen von Lehrpersonen der politischen Bildung (S. 138-153). Zürich/Chur: Rüegger. Download PDF.