Konfliktstile, fachspezifisches Selbstkonzept und politisches Interesse

Im pädagogisch motivierten politikdidaktischen Diskurs ist u.a. die Konfliktfähigkeit als Kompetenzdimension vorgeschlagen worden. Während konflikthafte politische Prozesse auf der Ebene des Wissens in der Teildimension Fachwissen zu präzisieren sind, bezieht sich die Konfliktfähigkeit auf die Person des/der Schülers/-in. Die psychologische Kompetenzdefinition beschreibt leistungsrelevante Unterschiede bei den Lernvoraussetzungen der Schüler/-innen, kein erwünschtes Kommunikationsverhalten als menschliche Qualität. Aus theoretischer Perspektive geht es also um das Handeln, nicht um die Leistungsfähigkeit (Kompetenz).

Konfliktstile sind individualtypische Bevorzugungen bestimmter Problemlösestrategien. Für die theoretische Begründung der Konfliktstile wird auf das ‚dual concern model‘ von Rubin et al. zurückgegriffen. Mit dem Instrument des ROCI-II-D werden die Konfliktstile Integrating, Obliging, Dominating, Avoiding erfasst.

Die Kompetenzdimension Motivation wird über das Interesse an Politik und das fachspezifische Selbstkonzept operationalisiert. Befragt wurden 669 Schüler/-innen in 28 neunten Klassen Realschule in Baden-Württemberg.

Ergebnisse

Ein Zusammenhang zwischen den Konfliktstilen und der Leistungsfähigkeit ließ sich statistisch nicht feststellen. Die Konfliktstile als Handlungseigenschaft beeinflussen die Leistungsdisposition nicht. Das fachspezifische Selbstkonzept wirkt sich positiv nur auf den kooperativen und den wetteifernden Konfliktstil aus. Das politische Interesse wirkt sich eher schwach auf alle Konfliktstile aus. Jungen verfügen über ein höheres fachspezifisches Selbstkonzept und politisches Interesse.

Zu den Geschlechterstereotypen zeigt das Strukturgleichungsmodell erwartungskonforme Befunde, d. h., es lassen sich ein wetteifernder, dominanter Konfliktstil häufiger bei Jungen, ein kooperierender und nachgebender häufiger bei Mädchen beobachten. Einen Effekt auf Vermeiden lässt sich nicht feststellen. Zu den Geschlechterstereotypen zeigt das Strukturgleichungsmodell erwartungskonforme Befunde, d. h., es lassen sich ein wetteifernder, dominanter Konfliktstil häufiger bei Jungen, ein kooperierender und nachgebender häufiger bei Mädchen beobachten. Einen Effekt auf Vermeiden lässt sich nicht feststellen.

Bearbeiter/-innen: Georg Weißeno & Barbara Landwehr

Projektpublikation

Weißeno, G., & Landwehr, B. (2015). Konfliktfähigkeit, Selbstkonzept und Interesse im Politikunterricht – Ergebnisse einer Studie. In A. Petrik (Hrsg.), Formate fachdidaktischer Forschung in der politischen Bildung (S. 79-88). Schwalbach: Wochenschau.  pdf Konfliktfähigkeit